Freiheit für Erich Priebke!
Am heutigen Tag wurde Erich Priebke, der letzte deutsche Kriegsgefangene, 99 Jahre alt. Erich Priebke ist seit 1998 in Rom in Haft.

Erich Priebke wurde am 29. Juli 1913 in Hennigsdorf geboren. Nach einer Lehre als Hotelfachmann war er bis 1935 im Hotelwesen tätig, dann als Dolmetscher für die Gestapo. Er wurde verbeamtet und in den Kriminaldienst der Gestapo übernommen. Ab 1941 arbeitete Erich Priebke an der deutschen Botschaft in Rom als Verbindungsoffizier zur italienischen Polizei.

Am 23. März 1944 wurde von kommunistischen Partisanen unter dem Medizinstudenten Rosario Bentivegna in der Via Rasella ein Attentat auf die 2. Kompanie des III. Bataillons des Regiments "Bozen" verübt. 33 Soldaten starben, 67 wurden verwundet. Weiters starben 11 unbeteiligte Zivilisten, darunter ein 13-jähriger Junge. Der Anschlag war durch den Militärausschuß des nationalen Befreiungskomitees (CLN) gebilligt worden. Auch später wurde keiner der Verantwortlichen für das feige Attentat zur Rechenschaft hezogen. Im Gegenteil: Bentivegna rechtfertigt sein Tun in Schülerprojekten, in denen er vor deutschen Gymnasiasten offen von seinen verbrecherischen Gewaltakten schwärmt.

Gemäß der festgelegten Repressalienquote von 1 : 10, sollten tags darauf 330 Geiseln erschossen werden - Vergeltungsmaßnahmen dieser Art waren zu jenem Zeitpunkt nach der Haager Landkriegsordnung legitim. Bei den Alliierten wurde bei ähnlichen Maßnahmen meist eine Quote von 1 : 200 zugrunde gelegt. Aus nicht näher bekannten Gründen wurden am 24.03.1944 in den ardeatinischen Höhlen in Rom statt der definierten 330 Geiseln 335 erschossen. Erich Priebke nahm als Offizier an den Erschießungen teil - als ein deutscher Soldat, der seine Pflicht tat. Die Verantwortung trug er jedoch nicht. Befehlshabender Offizier war SS-Obersturmbannführer Herbert Kappler. Dieser wurde am 20. Juli 1948 für die Geiselerschießung bereits zu lebenslänglicher Haft verurteilt und im Jahre 1977 schwerkrank aus der Haft entlassen. Aus dem gleichen Grund, aus dem schon Herbert Kappler 29 Jahre in Gefangenschaft verbracht hatte, verwehrt unser ehemaliger Bündnispartner Italien einem nunmehr 99 Jahre alten Mann die Freiheit.

Erich Priebke lebte nach dem Krieg 20 Monate in britischer Gefangenschaft in Rimini, konnte dann zu seiner Familie nach Sterzing fliehen. Seit 1948 lebte Erich Priebke in Argentinien, wo er sich eine kaufmännische Existenz aufbauen konnte und sich für die deutsche Volksgruppe einsetzte.

1993 stellten deutsche Ermittler einen Auslieferungsantrag, daraufhin wurde Erich Priebke in Argentinien unter Hausarrest gestellt. 1995 wurde Erich Priebke nach Italien überstellt und 1996 von einem Militärgerichtshof freigesprochen. Dies war nicht weiter verwunderlich, da es sich bei der Geiselerschießung um eine vollkommen normale Kriegshandlung handelte. Dennoch wurde im gleichen Jahr das Urteil für nichtig erklärt; in einem 2. Verfahren wurde ein Strafmaß von 15 Jahren verhängt. Aufgrund von Amnestiegesetzen wurde die Strafe um 10 Jahre reduziert, auch wurde die Untersuchungshaft angerechnet. Auch dies war den Eiferern nicht genug, die an Erich Priebke ein Exempel statuieren wollten. Im Frühjahr 1998 wurde Erich Priebke von einem Militärberufungsgericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Haft verbüßt Erich Priebke seit 1999 in Hausarrest. Der Bürgermeister von Rom, Walter Veltroni, sagt dazu: "Rom vergißt nicht". Auch wir sollten nicht vergessen, Kameradinnen und Kameraden. Erich Priebkes Frau, mit der er 66 Jahre verheiratet war, starb im August 2004. Seit November 1995 hatte er sie nicht mehr gesehen. Anfang Juni 2007 erreichte Erich Priebkes Anwalt, daß er sich in Rom frei bewegen darf. Diese Lockerung wurde am 19. Juni 2007 aufgrund eines Betreibens von Amos Luzzato, dem Vertreter der jüdischen Gemeinde, wieder zurückgenommen.

Erich Priebke verbringt seine Haft in vorbildlicher Haltung. Er verfaßte eine Autobiographie "Vae Victis - Wehe den Besiegten", wofür ihm der Ulrich-von-Hutten-Preis der Gesellschaft für freie Publizistik verliehen wurde. Keiner der deutschen Systempolitiker hat je einen Finger für Erich Priebke gerührt. Umso weniger dürfen wir sein Schicksal in Vergessenheit geraten lassen.

Freiheit für Erich Priebke!




D. Nordhorn

29.07.2012
 
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